Adjuvante Therapie

Ist eine Behandlung mit Interferon beim malignen Melanom sinnvoll?

Ärzte fragen sich, ob sie eine Interferon-Therapie beim Melanom empfehlen können. Patienten fragen sich, ob sie sich einer solchen Therapie unterziehen sollen. Eine Entscheidung kann weitreichende Folgen haben.

Wenn Sie mehr über das Thema Interferon beim Melanom wissen wollen, können Sie hier die Zusammenfassung meiner Übersichtsarbeit lesen. Weiter unten können Sie die komplette Übersichtsarbeit herunterladen.

 

Brot und Spiele für die Onkologie
Die Interferon Saga

Zusammenfassung

Hintergrund: Seit über 30 Jahren werden Interferone in der Therapie des malignen Melanoms angewendet. Obwohl dutzende von klinischen Studien, Reviews und Metaanalysen durchgeführt wurden, konnte bis heute nicht geklärt werden, ob Interferone das Überleben beim malignen Melanom verlängern.

Methode: Um Antworten auf die Frage zu finden, warum nach 30 Jahren klinischer Forschung der Überlebensvorteil von Interferon beim Melanom nicht geklärt ist, wird die Geschichte des Interferons aufgearbeitet. Es werden die bedeutenden klinischen Studien bewertet. Die Darstellung der Interferone in der deutschen Melanom Leitlinie sowie in einer aktuellen Informationsschrift für Patienten wird geprüft. Es werden potentielle Interessenkonflikte diskutiert, die die Positionen in der wissenschaftlichen Diskussion beeinflussen könnten.

Ergebnis: Interferone wurden in den 70er Jahren unkontrolliert in Studien getestet.  Aus diesen Studien wurde eine Wirkung gegen das Melanom abgeleitet. In der adjuvanten Therapiesituation wurden Interferone als Einzelsubstanz in Interventionsstudien gegen Beobachtung beim Melanom geprüft. Placebo-kontrollierte Studien wurden bis heute nicht durchgeführt. Aus den Studien mit geringerer Evidenz wurde abgeleitet, dass Niedrigdosis-Interferon in der adjuvanten Therapie wahrscheinlich keinen Effekt auf das Überleben hat. Hochdosis-Interferon könnte möglicherweise einen sehr geringen klinischen Nutzen haben. Diesem stehen aber schwerwiegende Nebenwirkungen der Therapie gegenüber. Pegyliertes Interferon zeigte vergleichbare Nebenwirkungen wie die Hochdosis-Interferon Therapie und wurde bislang weder in Europa noch in den USA für die Therapie des Melanoms zugelassen. Im Stadium der Metastasierung hat Interferon wahrscheinlich als Einzelsubstanz keine Wirkung. Daher wurden Interferone als „hilfreicher Nachbar“ in der onkologischen Therapie positioniert und über multiple klinische Studien vermarktet. In der deutschen Melanom Leitlinie werden Verfügbarkeit und Nutzen von Interferon-Therapien nicht objektiv dargestellt. Potentielle Interessenkonflikte werden von den Autoren in der Leitlinie nicht angegeben. Eine bedeutende Patienteninformation der Deutschen Krebsgesellschaft gibt die widersprüchliche wissenschaftliche Diskussion über den Nutzen von Interferon auf die Überlebenszeit nicht wieder. Aus dem Jahr 2003 ist ein konkreter Fall von Pharma-Sponsoring zur Einflussnahme auf Meinungsbildner in der Dermato-Onkologie bekannt.

Konsequenz: Der Nutzen von Interferon auf das Überleben beim Melanom bleibt auch weiterhin unklar. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die möglichen geringen Wirkungen des Interferons auf einen Placebo-Effekt zurückzuführen sind. Die dauerhafte Positionierung des Interferons als „hilfreicher Nachbar“ ist wissenschaftlich äußerst fragwürdig. Die Dermato-Onkologie braucht bei der Bewertung und beim Umgang mit Interferon eine neue Orientierung. Die deutsche Melanom Leitlinie muss objektiviert werden. Potentielle Interessenkonflikte müssen bei der Leitlinie sowie bei Patienteninformationen offengelegt werden.

Beitrag: Schock am Sommeranfang

Schon mit 20 Jahren hatten wir im Freundeskreis, wo einige Medizin studieren wollten, als eines der größten Horrorszenarios die Entstehung eines Melanoms diskutiert, „nur noch Wochen oder Tage zu leben“, so ging es damals hin und her. Jeder hoffte natürlich...zum Beitrag